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letters from aceh
 
 

seite 08

Wie vorab schon erwähnt, landete der Architekt Peter Hedrich ursprünglich auf Pulau Weh, um für die FIG den Häuserbau zu koordinieren. Dass diese Geschichte ganz anders endete, als alle Beteiligten sie sich hätten ausmalen können, folgt in der Chronologie.

Zunächst jedoch musste er sich bei INTEL, einer Art indonesischen FBI melden. Dort wurden wir Zeugen eines interessanten Rituals: Ein Barackenbau ist Sitz der Polizei und Intel, bewacht durch etwa vier oder fünf rauchende, fernsehende oder schlafende Polizisten, meist unterhalten wir uns ein wenig. Was diese Gespräche angeht, so zelebrieren wir auch da ein Ritual: Woher kommen wir, wer ist schon verheiratet, warum sprechen wir Indonesisch und haben wir nicht doch Interesse, eine/n Insulaner/in zu heiraten.

Mitten im Gespräch rissen sich drei der Uniformierten plötzlich zusammen, marschierten im Gleichschritt über den kleinen Rasen. Zwei andere sperrten den Abschnitt der Hauptsraße, von dem aus die Zeremonie sichtbar ist. Abgesehen von einem Rudel verwahrloster Hunde, die den Fahnenbeauftragten hinterdrein trotteten, standen alle Anwesenden irgendwie doch etwas strammer als vorher. Selbst unser Interesse war geweckt:=)

Im Stechschritt staksten die drei halben Portionen zum Mast, salutierend holten sie die indonesische Flagge ein, falteten sie, dass jede Schwiegermutter ihre Freude hätte und brachten sie ins Haus. Kaum war das abgeschlossen, sackten die Schultern wieder ab, Zigaretten wurden getauscht und die Straße wieder freigegeben.

Nun hört sich das alles eher ein wenig nach Urlaub, denn nach konkreten Hilfsmaßnahmen an, aber dem ist keineswegs so.

Die ersten 11 Boote sind bereits angekommen, sie landeten noch sehr verstreut, manche hier, andere im zehn Kilometer entfernten Hafen von Balohan und nicht wie geplant mit großem Empfang am kleinen Hafen hier in Sabang.

Den haben wir wegen kleinerer Reparaturen auf morgen verschoben. Dafür wird von einer alten Dame in Philippes Dorf ein spezieller Reis auf traditionelle Weise vorbereitet, mit dem die Boote dann gesegnet werden.

Zum Teil gab es wohl einige Probleme mit den Motoren und ich kann von Glück sagen, dass ich wegen des Regens nicht mitgenommen wurde, denn sonst hätte ich mehr als 14 Stunden in einem der ultralauten Dompengs zubringen müssen. Die Fischer haben in ihrer Freude über die neuen Boote Wind, Sonne, Regen – alles stundenlang hingenommen und stolz ihre Boote nach Hause gebracht.

Anhand der Fischer, denen die Boote übergeben wurden, lässt sich ganz gut erklären, was Philippe, der französiche Fast-Acehnese die acehnesische Mentalität nennt. Einige gehen zu Yves und behaupten, es gäbe Probleme mit den Dompengs, die seien nicht gut. Zunächst wussten wir nicht genau, was mit dieser Information anzufangen sei, denn wir hatten die Boote ja persönlich eingekauft. Da wir ohnehin einen Topf einrichten wollen, in den die Fischer monatlich einen Teilbetrag des Kaufpreises einzahlen, soll der für anstehende Reparaturen verwendet werden. Dann kommt Philippe hinzu und warnt uns eindringlich, denn er hat mit den nelayans, den Fischern längst geklärt, dass das kleinere Reparaturen sind, die sie unschwer selbst erledigen können.

Er sagt, einige versuchen auf diese Weise ein wenig zusätzliches Geld zu bekommen.

Für uns schwer durchschaubar, aber immer wieder gute Lektionen, alles doppelt gegen zu checken.